Das Schulsystem der DDR

Historischer Hintergrund der Schule

Im Juni 1945 nahmen die Schulen Berlins einen provisorischen Unterricht auf. Am 11.6.1945 beschloss der Berliner Magistrat die "vorläufigen Richtlinien für die Wiedereröffnung des Schulwesens". Diese verordneten, die sofortige Entlassung der faschistischen Lehrkräfte, die Wiedereinstellung der unter Hitler verfolgten Lehrer, den Einsatz von Hilfslehrern aus den Reihen der Werktätigen, Schulungen für die Lehrerschaft, Gartenarbeiten, Spiele, Unterrichtsgänge und andere Beschäftigungen für die Kinder. Weiterhin wurde die Aufnahme eines provisorischen Unterrichts in Lesen, Schreiben und Rechnen sowie planmäßige Vorarbeiten für einen regulären Unterricht bekommen. Am 1. Oktober wurden in 10822 allgemeinbildeneden Schulen, die Arbeit wieder aufgenommen und auch ein großer Teil der Berufschulen wurden eröffnet. Im Schuljahr 1945/46 waren nur unzulängliche Hilfsmittel für die Bildung vorhanden. Die meisten Klassenräume waren notdürftig eingerichtet (Abb. 1) und ausgearbeitete Lehrpläne existierten nicht. Am 20. September 1945 wurde der Befehl zum Erarbeiten von Übergangslehrplänen erlassen. 5 Tage später kam es zur Gründung des Schulbuchverlags "Volk und Wissen" aufgrund eines Befehls der SMAD. Wenige Tage nach der Wiederaufnahme des Unterrichts veröffentlichte am 18. Oktober 1945 das Zentralkomitee der KPD und der Zentralausschuß der SPD einen "gemeinsamen Aufruf zur demokratischen Schulreform". Dieser forderte die Säuberung des gesamten Lehr - und Verwaltungspersonals, Aufbau eines einheitlichen Schulsystems, die Trennung von Kirche und Schule, den Verbot von Privatschulen, die grundsätzliche umstellung der Lehrpläne, die Ausarbeitung neuer Lehrpläne. Durch das Gesetz wurde die achtklassige Grundschule eingeführt. Am 12. Juni 1946 wurde das Gesetz zum Ersten mal in Thüringen verkündet und dieser Tag wurde 5 Jahre später zum "Tag des Lehrers" erkärt. Im Schuljahr 1950 trat das Schulpflichtgetz in Kraft. Der Beschluß des Politbüros vom 29.Juni 1952 leitete die staatliche Umgestaltung des Schulwesens ein. Die Vorraussetzungen dafür waren Veränderungen im System der staatlichen Leitung, Bezirks- und Kreisabteilungen für Volksbildung wurden entsprechend der neuen Verwaltungsstruktur aufgebaut, an Stelle des Schulleiters trat der Direktor. Er war für den Erziehungs- und Bildungsprozess verantwortlich. Die 1954/55 eingeführte Jugendweihe war eine weitere Möglichkeit um die Herausbildung einer wissenschaftlichen Weltanschauung und einen festen Staatsbewußtsein bei den Schülern zu fordern. Am 1.September 1958 wurde der polytechnischer Unterricht eingeführt. Er setzte die Grundlage für die Verbindung von Unterricht und produktive Arbeit.

Klasse
Werkunterricht
5. - 6. produktionsbezogener Werkunterricht
7. - 12. Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion und von der 9.Klasse ein 14 tägiges Praktikum
8. - 9. technisches Zeichnen
9. - 12. Einführung in die sozialistische Produktion in Industrie und Landwirtschaft


Laut Marx war das Ziel der polytechnischen Bildung die "systematische Einführung in die sozialistische Produktion und Landwirtschaft", "der Erwerb solider, praktischer und technischer Fertigkeiten, der den Gebrauch von Werkzeugen, technischer Geräte und Maschinen einschließt." Am 2. 12.1959 trat das neue Schulgesetz in Kraft. Es führte die zehnklassige allgemeine Oberschule in Unterstufe, von der 1 - 4 Klasse und in Oberstufe von der 5 - 10 Klasse untergliedert. 1959/60 wurden die Grundlehrgänge zur Systematisierung des polytechnischen Unterrichts eingeführt:

Schulen in
industriellen Gebieten
Metall-
bearbeitung
Maschinen-
kunde1, Elektrotechnik
landwirt-
schaftliche Produktion
Maschinen-
kunde 2
in landwirt-
schaftichen Gebieten
Metall-
bearbeitung, pflanzliche Produktion 1
Metall-
bearbeitung (Forschung)
tierische Produktion 1, Elektrotechnick Maschinen-
kunde, pflanzliche produktion 2
tierische Produktion 2


Am 25. Februar 1965 wurde das "Gesetz über das einheitliche, sozialistische Bildungssystem" veröffentlicht. Es beinhaltete die Oberschul -, Berufschulpflicht, Schulgeld - und Lernmittelfreiheit an Universitäten und Hochschulen und Weiterbildungsmöglichkeiten wurden garantiert. Grundlegende Bestandteile des einheitlichen Bildungssystems waren die Einrichtungen der Vorschulerziehung, zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule, die Einrichtungen der Berufsausbildung, Ingenieur - und Fachschulen, Universitäten und Hochschulen, die Einrichtungen der Aus - und Weiterbildung der Werktätigen sowie Sonderschulen. Durch die Einführung der zehnjährigen Oberschulpflicht wurde außerdem das Recht auf Oberschulbildung gesichert. Im Schuljahr 65/66 begann man mit der jahrgangsweisen Einführung der präzisierten Lehrpläne.

Schulgeschichte Neuhardenbergs(Oderland)

Nachdem 1801 die Neuhardenberger Schulhäuser abgebrannt waren, zogen die Schüler 1802 ins Schinkelschulhaus um. 1840 wurde dann ein 2. Schulhaus gebaut. 1846 wurde sie die Zentralschule des Kreises. 1 Jahr später, wurde der damalige Direktor entlassen, da in seiner Akte verschwiegen worden war, daß er Mitglied der NSDAP war. Der Lehrertag wurde 1951 das Erste mal gefeiert.
Dieser Tag wurde mit viel Liebe und Sorgfalt von den Schülern vorbereitet. Meist glichen die Klassen - und Lehrerzimmer einer Blumenausstellung. Einige Gratulanten waren Gemeindevertreter, Vertreter einzelner Betriebe oder Vertreter aus Parteieinrichtungen. 1960 wurde die POS (polytechnische Oberschule ) eingeführt. Der Grundlehrplan an dieser Schule bestand hauptsächlich aus Acker - und Pflanzenbau, Viehhaltung und Metallverarbeitung. Außerdem lernten die Schüler auch das bedienen von Maschinen, Traktoren und Mopeds. 1967 brannte die Schinkelschule ab.
Aufgrunddessen, dass viele Familien nach Neuhardenberg kamen, fand ein Umzug in eine viel größere und neuere Schule statt. 1974 bekommt die POS den Namen des polnischen Revolutionäres Julian - Marchlewski und somit heißt sie "Julian - Marchlewski Oberschule". Ein bißchen Geld für die Klassenkasse, bekamen die Schüler durch sammeln von Altstoffen (Gläser, Flaschen, Altpapier). Die POS pflegte auch viele patenschaftliche beziehungen z.B. zwischen FDJ-Klassengruppen und Pionieren, FDJ - Gruppe der Lehrer und FDJ - Gruppe der Schüler oder mit der Armee oder anderen einzelnen Betrieben.
Die Neuhardenberger Schule bekam damals viel Unterstützung von der NVA. Sie half z.B. bei Verschönerungsarbeiten und Bauvorhaben an der Schule oder sie verbesserten die materiellen Bedingungen. Der Jugendsport war in Neuhardenberg stark vertreten. Es gab z.B. den ASV ( Armeesportverein ). Dieser betreute Kinder - und Jugendliche im Gewichtheben, Leichtathletik oder Fußball. Bei den regelmäßig stattfindenden Spartakiaden wurde auch viele Medaillen und Urkunden gewonnen. In den Ferien verrichteten die Schüler eine Menge nützlicher Arbeiten. Sie renovierten die Klassenzimmer oder halfen den Bauern bei der Ernte. Das Geld was sie dafür bekamen, spendeten sie meistens notleidenden Völkern. In Neuhardenberg fand jährlich eine Festwoche statt, in der die Schüler eine Auszeichnung mit dem Ehrentitel des Marchlewski Schülers bekamen. Diese Anerkennung bekamen die Schüler für vorbildliche Leistung. Damit auch jeder diese Anerkennung sehen konnte, gab es einen Aufnäher für die FDJ - Bluse und eine Urkunde. An dieser Schule arbeiteten 39 Lehrerinnen und 10 Lehrer.
Die Mehrheit der Frauen entstand dadurch, daß sie mit Offizieren verheiratet waren, welche in Neuhardenberg stationiert wurden. Das Schulklima war meist sehr gut, da sich jeder auf den anderen verlassen konnte. Das heißt , wenn ein Lehrer krank wurde, meldete sich sofort ein anderer Lehrer für die Vertretung. Aus diesem Grunde gab es kaum Stundenausfälle. Die tägliche Schulspeisung war im Gegensatz zu heute, noch sehr preiswert. Das Essen kostete damals 2,75 M pro Woche, heute dagegen kostet es soviel an einem Tag. Die Trinkmilch mit Vanille -, Kakao - und Erdbeergeschmack kostete pro Woche 1,20 - 2,10 M. Es gab auch schon Jugendweihen, die im Laufe der Jahre immer beliebter wurden. 1954 gab es nämlich nur 4 Jugendweiheteilnehmer. 15 Jahre später waren es schon 42 Teilnehmer. Die Jugendweiheteilnehmer unternahmen meist eine Menge zusammen. Der Festredner für die Neuhardenberger Jugendweihe war Sigmund Jähn, dessen Karriere hier began.

Sport

Devise Ulbrichts: "Jeder Mann an jedem Ort, einmal in der Woche Sport!"

"Sport frei!", daß war der Sportgruß der sozialistischen Sportbewegung der DDR. Bei den einzelnen Schul - , Kreis - und Bezirksspartakiaden konnte man eine Menge Sportabzeichen bekommen. Dieses Sportabzeichen bekam man als eine staatliche Auszeichnung für vielseitige sportliche Leistungen. Auf diesem Abzeichen konnte man den Leitspruch: "Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat" lesen. Die Sportabzeichenmedaille konnte man 10 mal gewinnen und eine Ehrenurkunde des Staatssekretärs für Körperkultur und Sport 20-30 mal . Früher gab es auch schon Kinder - und Jugendsportschulen. Diese waren ein besonderer Typ der allgemeinen polytechnischen Oberschule mit verstärkter sportlicher Ausbildung. Wenn man früher ein guter Sportler werden wollte, hatte man es nicht leicht, da die SED immer ihre Finger mit im Spiel hatte . Sie sorgte z.B. dafür daß nur die Sportler in der Öffentlichkeit stehen, die der SED nicht schaden könnte.

Einige bekannte DDR - Sportler

Ronny Weller : Weltmeister im Gewichtheben
Katharina Witt : Olympiasiegerin im Eiskunstlaufen
Hartmut Briesenick  : Europameister im Kugelstoßen

Medaillengewinne der DDR-Sportler bei Olympischen Spielen

1964 5(Gold) 13(Silber) 5(Bronze)
1968 10(Gold) 11(Silber) 9(Bronze)
1972 24(Gold) 26(Silber) 30(Bronze)

Quellen

  1. Schule: Streng Vertraulich - Die Volksbildung der DDR in Dokumenten
    Gert Geißler, Falk Blaser, Thomas Scholze
    Basis Druck Verlag GmbH
    Berlin 96, 1. Auflage

  2. Der Sozialismus - Deine Welt
    Berlin 1975
    Verlag Neues Leben

  3. Meyers - Jugendlexikon
    Leipzig 1976
    VEB Bibliographisches Institut

  4. Schulgeschichte - Ein Märkisches Dorf in Wort und Bild
    C. und W. Kupke
    Michael Imhof Verlag 1998

  5. Geschichte der Schule in der DDR (1945 - 1968)
    K. - N. Günther/ G. Uhlig
    1996

  6. Informationen zur Politischen Bildung / Geschichte der DDR
    Bundeszentrale für Politische Bildung
    2. Quartal 1991

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