Die Jungpioniere

Im Alter von sechs bis neun Jahren war man bei den Jungpionieren, welche Mitglieder der Pionierorganisation Ernst Thälmann waren, die am 13.12.1948 in der DDR gegründet wurde. In der Gesamtheit der Pionierorganisationen waren alle Kinder und Jugendliche zusammengefasst. Die Aufnahme in den Kreis der Jungpioniere erfolgte mit dem Schulbeginn in der ersten Klasse. Bei der Aufnahme legte man das Pionierversprechen ab:

Jedes neue Mitglied erhielt das Statut. Dies war ein kleines Buch in dem alles Wissenswerte über die Pionierorganisationen stand. So zum Beispiel auch die Gebote der Jungpioniere:

Bei den Jungpionieren musste man keinen Mitgliedsbeitrag zahlen. In regelmäßigen Abständen wurden dafür Altstoffsammlungen durchgeführt. Den gesammelten Altstoff gab man dann bei den SERO - Sammelstellen ab und erhielt dafür ein bestimmten Sold. Der gesamte Erlös wurde dann gespendet, meistens ging das Geld in die Klassenkasse.Einen Jungpionier trug eine weiße Bluse ein weißes Hemd und einen dunklen Rock eine dunkle Hose. Auf dem linken Ärmel der Pionierbluse des Pionierhemdes trug der Jungpionier das Pionieremblem. das Pionieremblem bestand aus den Buchstaben JP, drei lodernden Flammen und der Inschrift Seid bereit, dieses Merkmal war auch auf der Vorderseite der Mitgliedskarte zu finden. Das bekannteste Merkmal der Jungpioniere war ihr blaues Halstuch. Zu diesen üblichen Kleidungsstücken konnte man noch ein blaues Käppi bekommen. Dafür musste man jedoch sehr fleißig mitarbeiten. Da das bekanntlich nicht jeder man Sache ist, hatte auch nicht jeder so ein Käppi.Diese Kleidung trugen die Jungpioniere zu Pionierveranstaltungen, besonderen Anlässen und zu Fest- und Feiertagen der Republik. Am Morgen, vor dem Unterricht meldete ein Schüler der Lehrerin, daß die Klasse zum Unterricht bereit sei. Gegebenenfalls wurden noch die fehlenden Schüler aufgezählt. Dann folgte der morgendliche Gruß:

Neben dieser Tradition gab es noch sogenannte Fahnenappelle bei denen die gesamte Schule versammelt war. Zu ihnen traten die Klassen in geschlossenen Formationen (Klassenverband) an. Bei den Fahnenappellen wurden organisatorische Sachen die für die ganze Schule zutrafen geklärt und Lobe für besonders gute Jungpioniere vor der Jungpionierflagge ausgeteilt. Wie es meist für alle Organisationen eine eigene Zeitung gibt, so hatten auch die Jungpioniere ihre eigene, die ABC - Zeitung. Sie kostete 15 Pfennige pro Ausgabe und enthielt unter anderem Hinweise für das Leben als Jungpionier. Desweiteren hatten die Jungpioniere ihren eigenen Rat, den Jungpionierrat. Der Jungpionierrat ist einer der vielen die es in DDR gab (weitere werden weiter unten erklärt) In ihm waren fünf bis sieben Jugendliche, die als Pionierräte von den Pioniergruppen gewählt wurden. Jeder Gruppenleiter nimmt an den Beratungen des Jungpionierrates teil. Innerhalb des Rates gab es einen Vorsitzenden und Jungpioniere, der Vorsitzende trug auf seiner Pionierbluse unterhalb des Pionierabzeichens zwei Blaue Ärmelstreifen und die restlichen Mitglieder jeweils einen blauen Ärmelstreifen. Sie organisierten unter Leitung des Freundschaftspionierleiters und des Gruppenleiters die Tätigkeiten der Pionierfreundschaft und der Pioniergruppen. Auch kümmerten sie sich darum daß jeder Pionier eine für ihn geeignete Aufgabe übernahm, zum Beispiel Altstoff sammeln. Der Jungpionierrat organisierte zusammen mit den anderen Organisationen die gegenseitige Hilfe zwischen und in den Pioniergruppen.

Die Thälmannpioniere

Die Thälmannpioniere wurden am 13.12.1948 als Verband der Jungen Pioniere von der FDJ gebildet. Mit dem Eintritt in die vierte Klasse konnte man ein Thälmannpionier werden. Zur Aufnahme mußte man das Gelöbnis der Jungpioniere ablegen:

Mit dem Gelöbnis änderten sich auch die Gebote der einstigen Jungpioniere in die Gesetze der Thälmannpioniere:

Die Thälmannpioniere hielten in bestimmten Abständen immer wieder die sogenannten Pioniertreffen ab. Auf dem ersten Pioniertreffen 1952 in Dresden erhielt der Verband der jungen Pioniere den Namen Ernst Thälmann. Dem ersten folgten noch fünf weitere Treffen, das zweite fand 1955 zu Ehren Wilhelm Pick’s achtzigsten Geburtstag statt (3. im August 1958 in Halle, 4. im August 1961 in Erfurt, 5. im August 1964 in Karl - Marx Stadt und das 6. im August in Cottbus). Innerhalb der Thälmannorganisation kam es zur Bildung von Pioniergruppen die die verschiedensten Aufgaben (arbeiten, lernen, helfen) hatten. Ein Thälmannpionier las jetzt nicht mehr die ABC - Zeitung sondern die Trommel. Der Mitgliedsbeitrag, den in der Organisation der Jungpioniere nicht gab, betrug bei den Thälmannpionieren 10 Pfennig. Wenn man diese 10 Pfennig bezahlt hatte, erhielt man eine sogenannte Beitragsmarke, die dann in das Mitgliedsbuch geklebt wurde. Die Bekleidungsmerkmale änderten sich mit dem Aufstieg zum Thälmannpionier ebenfalls. Aus dem blauen Halstuch wurde ein rotes und aus der weißen Bluse wurde eine blaue. In der Thälmannorganisation gab es nicht nur einen Rat wie bei den Jungpionieren sondern zwei Räte, den Gruppenrat und den Freundschaftsrat. Im Gruppenrat waren fünf bis acht Thälmannpioniere aus einem Stadtkreis, deren Vorsitzender an den Versammlungen der gesamten Organisation stimmberechtigt teilnahm. Der Vorsitzende trug auf der Bluse unter seinem Pionieremblem zwei rote Ärmelstreifen. Die restlichen Mitglieder des Gruppenrates trugen nur einen roten Ärmelstreifen. Im Freundschaftsrat waren pro Stadtkreis zwölf bis fünfzehn Thälmannpioniere, die aus allen Organisationen zusammengesetzt waren (Pioniere der Stäbe, Kommissionen und Klubräte). Der Freundschaftsrat hatte Aufgaben, die im Statut genau festgelegt waren. In den Rat konnte man nur durch die Pionierfreundschaft gelangen, denn die wählte einmal im Jahr den gesamten Freundschaftsrat. Auch in diesem Rat war der Vorsitzende genau von den Mitgliedern unterscheidbar denn er trug drei rote Ärmelstreifen auf seiner Pionierbluse, während die Mitglieder nur zwei trugen. Der Freundschaftsrat hatte auch eigene Symbole. Als erstes die Trommel, was aus der Zeitung der Thälmannpioniere der Trommel abgeleitet wurde, dann die Fanfare, das Bildnis Ernst Thälmanns, dem Gründer der Organisation, das Ehrenbuch und die Chronik. Für jedes Mitglied war es eine Ehre wenn es die Chronik weiterführen durfte. Sämtliche Pioniere einer Schule, ob Thälmannpionier oder Jungpionier gehörten zur Pionierfreundschaft welche die Interessen aller Schüler, beziehungsweise der Pioniere vertrat. Die Pionierfreundschaft organisierte Mitgliederversammlungen, Pionieraktivtagungen, Appelle, Demonstrationen, Umzüge, Wettbewerbe, Rechenschaftslegungen, Pionierfeste , Schülerwettstreite, Leistungsvergleiche, Feierstunden und Elterntreffen. Desweiteren sorgte sie dafür das Pioniervorhaben verwirklicht werden konnten, unterstützte Klubs, Arbeitsgemeinschaften, Schulsportgemeinschaften. Heute ist es so üblich, das die Schule die Jugendweihen organisiert, in der Zeit der DDR organisierte so etwas die Pionierfreundschaft. Von der Freundschaft konnte man auch Auszeichnungen erhalten, zum Beispiel das Abzeichen Für gute Arbeit in der Schule oder das Thälmannabzeichen. Auch das Fotografieren vor der Fahne der Pionierfreundschaft zählte zu den Auszeichnungen. Für besonders gute Pioniere gab es ein Lob vor der Pioniergruppe oder der Pionierfreundschaft oder einen Eintrag in das Ehrenbuch der Pionierfreundschaft. Diese Auszeichnungen wurden auch in das Mitgliedsbuch beziehungsweise in die Mitgliedskarte eingetragen. Jede der verschieden Organisationen / Räte war durch verschiedene Fahnen beziehungsweise Wimpel erkennbar.

Die FDJ

Die FDJ wird als einheitliche deutsche Massenorganisation der Jugend der DDR bezeichnet. Sie wurde aus den antifaschistischen Jugenausschüssen in Paris gegründet. Ihr erster Vorsitzender war Erich Honecker. Am 25.04.1957 wurde sie zur sozialistischen Jugendorganisation der DDR erklärt und setzte somit die Traditionen der Arbeiterjugendbewegungen fort. Ab dem Jahr 1952 war sie die Massenorganisation der SED, dads heißt die SED hatte ab sofort die alleinige Verfügungsgewalt über die FDJ. immer wieder wurde die FDJ als Kampfreserve der SED bezeichnet. Wer in die FDJ kam, mußte wohl oder übel für den sozialistischen Staat arbeiten, dennn die SED stellte für den Staat sozialistisch geschulten Führungsnachwuchs für Partei, Staat, Wirtschaft, Polizei und militär. Der Hauptauftrag der Organisation lag in der Erziehungsarbeit, das heißt alle Pioniere sollten zum Sozialismus erzogen werden. Damit erzog man die Kinder zum Marxismus - Leninismus. Auch vertrat die FDJ die Politik der SED. Die eigenständigen Erziehungsvorstellungen der FDJ waren nicht ausführbar denn sie standen voll und ganz unter dem Kommando des Politbüros. Somit kam es zu Auseinandersetzungen, denn die Jugend wollte mit Politik in den seltesten Fällen etwas zu tun haben, aber die SED wollte wie oben genannt alle zu kleinen Sozialisten erziehen. Die FDJ wurde somit zum Zwang für die Jugendlichen. Die FDJ beteiligte sich an Kinder- und Jugendspartakiaden, organisierte Singklubs und verwaltete einen großen Teil der Ferien- und Urlaubszeit von Schülern, Lehrlingen und Studenten. Bei den eben genannten Spartakiaden war es Ziel Talente zu fördern und die Mitglieder aller Bewegungen zusammenzuführen. Wenn man auch viel schlechtes über die Pionierorganisationen hört, so haben sie unter der leitung der FDJ viele auch große Sachen vollbracht, zum Beispiel den Aufbau des Eisenhüttenkombinats OSt, den Bau der Talsperre des Friedens (SOSA), den Bau der Wasserleitung der Maxhütte oder den Bau des Erdölverarbeitungswerkes Schwedt. Die Patenschaft mit der NVA, der nationalen Volksarmee war sie sehr wichtig, denn sie stellten ja immer wieder besonders gute Soldaten. Um in diese Organisation aufgenommen zu werden mußte man ein Mitglied in einer der Grundorganisationen gewesen sein (Jungpionier / Thälomannpionier ). Das höchste Organ war das Parlament, welches von der SED geleitet wurde. im Auftrag des Sozialistischen Einheitspartein leitete die FDJ die Thälmannpioniere, war mitglied im Weltbund der Demokratischen Jugend (WBD) und mitglied im internationalen Studentenbund (ISB). Ihr Organ war die tägliche Zeitung “Junge Welt”.

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