Flucht und Grenze

Ein Projekt, erarbeitet im Rahmen des Unterrichts 12/1, von Karin Höschel und Petra Hölsken. Wir haben unser Thema in folgende Punkte untergliedert:

- Gründe für die Teilung Deutschlands
- Grenze
- Mauerbau/Mauerfall
- Ausmaße der Berliner Mauer
- Der Aufbau der Grenze zwischen der DDR und der BRD
- Flucht/Flüchtlinge
- Strafverfolgung von Flüchtlingen
- Bildnachweis
- Literaturverzeichnis

Gründe für die Teilung Deutschlands

Am 12. September 1944 beschließen die USA, Großbritannien und die UdSSR die Aufteilung von Deutschland und Berlin in 3 ( erst später 4 ) Besatzungszonen. Damit war die " Grundlage " für die spätere Teilung Deutschlands geschaffen. Nazideutschland kapituliert am 8.Mai 1945. Die Alliierten haben den 2. Weltkrieg gewonnen und übernehmen nun die Verwaltung der Berliner Sektoren und der Besatzungszonen. Man sagt, dass die tieferen Ursachen für die Teilung Deutschlands nicht eindeutig festlegbar sind, aber ein sicher bedeutender Punkt ist, dass die Sowjetunion als eine Weltmacht sich eine Art " Vorfeld " schaffen wollte und die 2. Weltmacht, die USA, wollten ihnen dieses " Vorfeld " ( zu dem u.a. auch die spätere DDR gehörte ) streitig machen und auch das Gebiet der späteren Bundesrepublik an sich binden. Am Ende des 2. Weltkrieges gab es keine Teilungspläne o.ä., das heißt , dass die Teilung Deutschlands kein Ziel dieser beiden Weltmächte war, sondern eher ein Ergebnis von Entwicklungen. Ein Teil dieser Entwicklung war die Aussenministerkonferenz der 4 Alliierten im April 1947. Die Sowjetunion war durch den Krieg das mit am stärksten zerstörte Land und so auf Reparationen angewiesen. Auf dieser Konferenz machte die Sowjetunion das Angebot eine gesamtdeutsche Regierung zuzulassen, wenn die Lieferung der Reparationen über längere Zeit gesichert sei. Die Westmächte lehnten das Angebot ab und so wurde kein Konsens gefunden und eine Teilung Deutschlands war vorprogrammiert!

Die Berliner Mauer

Hintergründe für den Mauerbau:

Ein wesentlicher Grund war die Flucht vieler Bürger der DDR nach Westberlin und Westdeutschland. Ursachen dafür waren eine allgemeine Unzufriedenheit mit den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen, wie zum Beispiel die Zwangskollektivierungen in der Landwirtschaft, die Versorgungsschwierigkeiten oder bessere Verdienstmöglichkeiten im Westen. Allein von Januar bis August 1961 wurden ca. 160.000 Flüchtlinge gezählt. Der erste Versuch der DDR - Regierung die Flucht von DDR -Bürgern einzudämmen wurde am 26.05.1952 mit der Sperrung der Demarkationslinien zur BRD und Westberlin unternommen. Am 27.11.1958 stellte die Sowjetunion den Alliierten ein Ultimatum bezüglich Berlins. Sie verlangten, dass Westberlin innerhalb von 6 Monaten eine entmilitarisierte Stadt werden sollte. Dies bedeutete, dass die Alliierten ihre Truppen abziehen sollten. Andernfalls drohte die Sowjetunion, ihre Berlinrechte an die DDR zu übertragen. Außerdem kündigte sie einseitig den 4-Mächtestatus von Berlin. Am 17.02.1959 kündigte die Sowjetunion an, dass bei Nichtbefolgung der Berlinforderungen ein separater Friedensvertrag mit der DDR geschlossen werden würde. Das DDR - Innenministerium beschloß am 08.09.1960, dass das Einreisen Westdeutscher in die DDR genehmigungspflichtig wird. Am 15.06.1961 gab es eine internationale Pressekonferenz, auf der es unter anderem darum ging, was die DDR aufgrund der anhaltenden Flüchtlingswelle von DDR – Bürgern tun will. Auf die Frage einer Journalistin antwortete Walter Ulbricht :" Ich verstehe ihre Frage so, daß es in Westdeutschland Menschen gibt, die wünschen, daß wir die Bauarbeiter der DDR dazu mobilisieren, eine Mauer aufzurichten. Mir ist nicht bekannt, daß eine solche Absicht besteht... Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. ".

Mauerbau/Mauerfall:

13.08.1961:
Abb.1 Soldaten In den frühen Morgenstunden dieses Tages riegelten bewaffnete DDR - Verbände den Ostsektor Berlins mit Stacheldraht und Strassensperren ab. Die Ursache war ein Beschluß des DDR-Ministerrates vom 12.08.1961. Darin hieß es, dass, wenn Westberlin nicht eine neutrale und entmilitarisierte Stadt wird, die Bürger der DDR Westberlin nur noch mit Genehmigung betreten dürfen. Es wurde ihnen außerdem verboten dort zu arbeiten. Zusätzlich wurde der S - und U – Bahn – Verkehr, der bis dahin durch ganz Berlin durchgängig verlief, unterbrochen. Insgesamt blieben nur an 13 Stellen Grenzübergänge offen 14.08.1961:
In einem symbolischen Akt wird das Brandenburger Tor von DDR - Grenzpolizisten geschlossen. 15.08.1961:
Die ersten Mauerstücke wurden von ostdeutschen Bauarbeitern errichtet. Diese wurden von bewaffneten Grenzpolizisten der DDR kontrolliert, so dass kein Bauarbeiter fliehen konnte. 23.08.1961:
Seit diesem Tag war es Westberliner Bürgern untersagt, Ostberlin zu betreten. 24.08.1961:
An diesem Tag gab es den ersten Mauertoten. Es handelte sich um einen 24-jährigen jungen Mann. 12.09.1961:
Die Grenztruppen der DDR wurden gebildet. 24.09.1961:
Da die Hauseingänge und Fenster in der Bernauer Straße zugemauert werden sollten, mussten ca. 2000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Der Grund für diese Maßnahme war, dass die Bernauer Straße genau an der Grenze verlief und dass man auf diese Art und Weise Fluchtversuche, zum Beispiel durch Tunnelbau unterbinden wollte. 27.10.1961:
Am " Checkpoint Charlie ", einem Grenzübergang in der Friedrichsstraße, kam es zu einer Konfrontation zwischen sowjetischen und amerikanischen Panzern. Eine gewaltsame Auseinandersetzung blieb jedoch aus. 18.06.1962:
Ein DDR Grenzsoldat wurde von einem westdeutschen Fluchthelfer erschossen. Dieser Vorfall wurde als Vorwand zum weiteren Mauerausbau genutzt. 19.06.1962:
Die Grenztruppen der DDR und Bauarbeiter begannen hinter der bisherigen Mauer eine zweite Sperrmauer zu errichten. Zwischen den beiden Mauern entstand der Todesstreifen. Hierbei handelte es sich um einen bis zu 100 m breiten Streifen aus brachem Land, der ständig kontrolliert wurde. 21.06.1963:
Ein 100 m breiter Schutzstreifen wurde errichtet. Dieser durfte von DDR Bürgern nur mit einem Sonderausweis betreten werden. Bürgern anderer Nationen war das Betreten dieser Zone streng verboten. 17.12.1963:
Ein Passierscheinabkommen wurde beschlossen. Darin wurde der Besuch von Westberliner Verwandten in Ostberlin geregelt. Darin hieß es unter anderem, dass in der Zeit vom 19.12.1963 bis zum 05.01.1964 ein Verwandtenbesuch möglich war. Als Verwandtenbesuch galt der Besuch von Kindern, Eltern, Großenkeln, Geschwistern, Tanten, Onkeln, Nichten, Neffen und Eheleuten untereinander. Voraussetzung für diesen Besuch war, dass der Antragsteller nicht gegen das DDR – Gesetz verstoßen hatte. bis 1966:
Alle Häuser auf der östlichen Seite der Bernauer Straße wurden abgerissen und bis 1967 wurden alle Eckhäuser der Nebenstraßen gesprengt. Eine bessere Übersicht über das Gelände sollte die Fluchtversuche durch Tunnelbau verhindern. 1966:
Von den Grenztruppen der DDR wurden Beobachtungstürme im Todesstreifen errichtet, um einen besseren Überblick über das Gelände zu haben und um ihn besser kontrollieren zu können. Abb.2 ( Mauer ) 1968:
Die Grenztruppen errichten die Mauer der 3. Generation. Sie bestand aus Betonplatten mit einem aufgesetzten Rohr. Mit Hilfe von Enterhaken sollte ein Überwinden der Mauer verhindert werden. 1971:
Ein Grenzzaun aus engem Stacheldraht wurde zur weiteren Sicherung der Mauer installiert. 02.1971:
Es entstanden die Grenzkommandos Nord, Mitte, Süd und die Grenzbrigade Küste. Sie sollten die Schlagkraft der Grenztruppen erhöhen. 1974 - 1976:
Ein verschärfter Mauerausbau fand auf Anordnung von Erich Honecker statt. 1974:
Hinterlandmauern und Grenzzäune wurden eingerichtet. 1975:
Es wurden weitere Beobachtungstürme in Betrieb genommen. 1976:
Die Mauer der 4. Generation ( Grenzmauer 75 ) wurde gebaut. Gleichzeitig wurden die Maueranlagen verschärft überwacht. 07.10.1977:
Auf dem Alexanderplatz kam es zu Zusammenstößen zwischen der Volkspolizei und jungen Menschen. Die jungen Leute forderten: Die Mauer muß weg ! ".Drei Jugendliche starben. 1979/1980:
Die " endgültige " Form der Mauer wurde errichtet. 05.02.1989:
An diesem Tag gab es den letzten Mauertoten. Dabei handelte es sich um den 20-jährigen Chris Güffroy. 08.04.1989:
Der Fluchtversuch zweier Jugendlicher über die Berliner Mauer hinweg wurde durch Warnschüsse gestoppt. Das waren zugleich die letzten Schüsse, die an der Berliner Mauer fielen. Sommer 1989:
Über Ungarn flohen Tausende DDR – Bürger in den Westen. Außerdem fanden in allen großen Städten Demonstrationen gegen die Regierung der SED statt. Forderungen auf den Demonstrationen waren unter anderem freie Wahlen und freier Reiseverkehr. 09.11.1989:
Auf einer Pressekonferenz erklärte der SED – Generalsekretär Schabowski bezüglich der Besetzung der Prager Botschaft und der Massenflucht von DDR – Bürgern über Ungarn: " um befreundete Staaten zu entlasten, hat man sich entschlossen, die Grenzübergänge zu öffnen. ". Auf die Frage, ab wann diese geöffnet seien, antwortete er unsicher: " Wenn ich richtig informiert bin, dann gilt diese Regelung unmittelbar. ". Diese Aussage löste einen Massenansturm von DDR – Bürgern an den Grenzen aus. Die Grenztruppen öffneten schließlich die Grenzübergänge. 10.11.1989:
Die Abrißarbeiten an der Mauer zur Schaffung weiterer Grenzübergänge begannen. 12.11.1989:
Am Potsdamer Platz wurde die Mauer geöffnet. 22.12.1989:
Das Brandenburger Tor wurde für Fußgänger geöffnet. 30.06.1990:
Die Grenzkontrollen wurden eingestellt. 01.07.1990:
Durch das Inkrafttreten der Wirtschafts-, Sozial- und Währungsunion war ein freier Reiseverkehr zwischen Ost und West möglich. 21.09.1990:
Die Grenztruppen wurden aufgelöst. bis 1991:
Bis dahin war die Mauer fast vollständig verschwunden. Es wurden einige Reste zur Erinnerung stehengelassen, zum Beispiel in der Bernauer Straße und gegenüber dem Ostbahnhof. Dieses Stück ist 1,3 km lang und heißt " East – Side – Gallery ".

Ausmaße der Berliner Mauer:

Die Grenze zu Westberlin war insgesamt 166 km lang. 107 km davon entfielen auf die Mauer. 46 km davon befanden sich allein zwischen dem Ost- und dem Westteil der Stadt. Die Grenzanlagen waren folgendermaßen aufgebaut: erst kam eine 4 m hohe Betonplattenwand, die oben oft eine Betonröhre hatte, um Fluchtversuche zu erschweren. Dann folgte ein beleuchteter Kontrollstreifen, der Todesstreifen. Wer bis dorthin gekommen war, durfte ohne Warnung beschossen werden. Dahinter war ein Graben, um Durchbrüche mit Fahrzeugen zu verhindern. Danach kamen ein Patrolienweg, Hundelaufanlagen und Wachtürme. Zum Schluß kam noch einmal eine 2. Mauer. Insgesamt waren an der Sicherung der Mauer ca. 10.000 Soldaten und Offiziere beteiligt.

Der Aufbau der Grenze zwischen der DDR und der BRD (Am Beispiel der Grenzanlagen in Dedeleben/Sachsen-Anhalt)

Zuerst kam ein 5 km breites Sperrgebiet, dass entlang der Grenze verlief. Begrenzt wurde es durch Hinweis- und Verbotsschilder. Es durfte nur von Personen mit Passierschein oder von Anwohnern betreten werden. Jeder Fremde, der sich dort aufhielt, wurde sofort der Polizei gemeldet. Diese überprüfte gleich die Rechtmäßigkeit des Aufenthaltes im Sperrgebiet. An unübersichtlichen Stellen gab es Hundeleinen, um das Gebiet besser überwachen zu können. Dann folgte der Schutzstreifen. Er war je nach Gelände- und Bebauungsverhältnissen zwischen 75 m und 2 km breit. Je schlechter diese Verhältnisse waren, um so breiter war der Streifen. Es folgte ein 2 m breiter Kontrollstreifen, der K2. Um Schuhabdrücke von Flüchtlingen besser sehen zu können, wurde er regelmäßig geeggt. Jetzt kam ein 2,5 m hoher Signalzaun. Er bestand aus Stacheldraht oder Streckmetall und war mit Signaldrähten versehen. Diese lösten Scheinwerfer, Hupen, Signalraketen oder SP1 ( Signalgerät mit Platzpatronen ) aus. Wenn der Alarm ausgelöst worden war, ging sofort eine Meldung an den BT11 ( einem 11 m hohen Betonturm ), wo sich die Abschnittsverantwortlichen befanden. Diese leiteten sofort Kontroll- und Suchmaßnahmen im betroffenen Bereich ein. Außerdem wurde das Gebiet unverzüglich abgeriegelt. Der Alarm wurde erst aufgehoben, wenn sicher war, dass der Alarm entweder durch Wild, einem technischen Defekt oder einem Grenzer ausgelöst wurde, oder, wenn es ein Flüchtling war, dieser aufgespürt bzw. zu 100% in die BRD geflohen war, oder wenn er sich so erschreckt hatte, dass er den Rückweg antrat. In dem Gebiet hinter dem Signalzaun liefen die Grenzer in Doppelstreifen Patrouille. Sie bezogen auch feste Beobachtungspunkte, wie Beobachtungstürme oder Fahrzeuge. Dieses Gebiet war noch zusätzlich gesichert. Zum einen durch Stolperfäden, die mit Signalgeräten wie dem SP1 verbunden waren, zum anderen durch Hundelaufanlagen. Beides befand sich vor allem in unübersichtlichem Gelände. Nun kam der K6, ein 6 m breiter Kontrollstreifen. Davor war oft noch ein Kolonnenweg für die Fahrzeuge der Grenzer. Dann kam ein 3 - 4 m hoher Grenzzaun aus Stacheldraht oder Streckmetall. Jetzt kamen die Hundegassen. Dort liefen die Hunde frei und waren nicht wie bei den Hundelaufanlagen angeleint. Diese Hunde waren oft so abgerichtet, dass sich nicht einmal die Hundeführer in die Gassen trauten. Sie befanden sich überwiegend dort, wo das Gelände unübersichtlich oder der Abstand zwischen K2 und K6 zu gering war. Als nächstes kam eine Minensperre. Nicht auf allen Minenfeldern lagen Minen. Oft wußten nur der Kompaniechef und 1 - 2 weitere Offiziere pro Grenzkompanie, wo die Minen waren. Dadurch entstand eine große Gefahr für die Grenzer und für Flüchtlinge. So mußten zum Beispiel die Grenzer die Minenfelder manchmal betreten oder befahren, obwohl ein verwechseln der Felder hätte tödlich sein können. Die Minenfelder waren unter anderem mit Warnschilder gekennzeichnet. Zum Schluß kam nochmals ein Grenzzaun aus Stacheldraht oder Streckmetall. Im Herbst 1974 wurden probeweise Personenminen eingeführt. Diese wurden nicht mehr im Erdreich verlegt, sondern am Streckmetallzaun befestigt. Kaum sichtbare Zündschnüre hielten die Auslösemechanismen in einer neutralen Stellung. Der Verlauf der Zündschnüre war so kompliziert, dass man ihn kaum verfolgen konnte. Deshalb mußte nach der Detonation einer einzigen Mine der gesamte Bereich gesichert werden, bevor die detonierte Mine ersetzt werden konnte. Die Soldaten, die diese Aufgabe zu erledigen hatten, übten diese Tätigkeit, meist nur 1-2 Jahre aus , da eine psychische Belastung nicht selten war. Man hatte nämlich die - Auslösemechanismen so konstruiert, dass sie sowohl auf Zug, als auch auf Entlastung reagierten. Das machte die Minen so unberechenbar. Meist kam noch hinzu, dass durch die Druck- oder Splitterwirkung einer detonierenden Mine häufig andere Auslösedrähte zerrissen wurden. Dann sprach man von einer Gruppendetonation. Das gefährliche war, dass die Minen auch bei starkem Wind detonieren konnten. Meist waren Wildtiere von so einer Explosion betroffen. Nicht selten traf es auch Flüchtlinge oder gerade vorbeilaufende Grenzer. Deshalb waren die Personenminen die ersten, die in den 80-iger Jahren bei der allgemeinen Minenräumung, entfernt wurden. Es gab in den 70iger Jahren auch Selbstschußanlagen in Dedeleben. Diese waren aber in einer Form konstruiert, so dass sie keine Menschen verletzen oder töten konnten. Bei diesen Anlagen handelte es sich sehr oft um SP1, die mit Platzpatronen geladen waren. Da die Grenzer oft kreuz und quer durch das Gelände laufen mußten, lösten sie selber oft genug diese Geräte aus, teilweise dadurch, dass sie kurzfristig umgesetzt worden waren. Aus diesen Grund trugen die Postenführer immer mehre Platzpatronen und 1 - 2 Signalraketen bei sich, da die Erschreckungswirkung der Selbstschußanlagen aufrecht erhalten werden sollte. Diese waren zum Teil sehr gut sichtbar installiert. Dabei handelte es sich in der Regel um welche, die mit Signalraketen funktionierten. Der Rest war sehr gut versteckt. Wenn im Grenzgebiet Personen gesichtet wurden, gab es klar formulierte Regeln, wie zu verfahren ist. Zuerst mußten die Grenzer der Person zurufen: " Halt! Stehenbleiben! Grenztruppen der DDR! ". Blieb die Person stehen, wurde die Parole abgefragt, da es sich um einen Grenzer in Zivil oder eine andere befugte Person handeln konnte. War die Person nicht in der Lage die Parole zu nennen, wurde sie verhaftet. Blieb die Person nicht stehen, wurde der Gebrauch der Schußwaffe angedroht, wenn sie nicht stehen blieb. Wenn der Flüchtige immer noch nicht stehenblieb, wurde ein Warnschuß abgegeben. Lief die Person dann immer noch weiter, durfte ein gezielter Schuß abgegeben werden, der sie an der Fortbewegung hinderte. Da Flüchtlinge oft Hintermänner hatten, die alles organisiert hatten, hatte die Festnahme oberste Priorität. Deshalb wurde so geschossen, dass der Flüchtling noch vernommen werden konnte. Wichtig, wenn ein Schuß abgegeben wurde, war außerdem, dass keine Kugel auf das Gebiet der BRD gelangte.

Flucht/Flüchtlinge

Seit dem Kriegsende und vor allem in den 50-iger Jahren schwoll der Flüchtlingsstrom stark an, denn in der BRD prosperierte die Wirtschaft mit Hilfe des Marshall-Plans der Amerikaner, in der DDR herrschte die Mangelwirtschaft vor, da die DDR von der Sowjetunion abhängig war. Wegen der schlechten Versorgung und den zunehmenden und andauernden politischen Repressalien flohen bis zur Absperrung, d.h. bis zum 13. August 1961, etwa 3 Mio. Menschen in die BRD. Die Hälfte der Flüchtlinge war unter 25 Jahren, und 60% davon im arbeitsfähigen Alter! Um 1959 ging die Flüchtlingszahl zeitweise zurück, weil die Grenzkontrollen und die Bestrafung von " Republikflüchtigen " verschärft wurden. In den Jahren 1960/61 stieg die Zahl wieder an, weil zu dieser Zeit die ersten Gerüchte über eine völlige Absperrung aufkamen, und da in der Zeit die Grenze eher provisorisch, d.h. noch nicht vollendet war, nutzten die Flüchtlinge eine " letzte " Chance. An der Berliner Mauer speziell gab es ungefähr 5000 Fluchtversuche, davon sind mehr als 3000 gescheitert, es gab 239 Tote. Am 24. August 1961 wird der 1. Mauerflüchtling an der Berliner Mauer erschossen und als am 18.Juni 1962 der DDR – Grenzsoldat Reinhold Huhn von einem westdeutschen Fluchthelfer erschossen wird, nutzt die SED diesen Vorfall als Vorwand für einen Statistikweiteren Mauerausbau (Bau des Todesstreifens erfolgt). Das letzte Todesopfer an der Berliner Mauer war der 20-jährige Chris Güffroy im Februar 1989. Im April 1989 gab es den letzten Fluchtversuch von Jugendlichen, dieser scheiterte denn, die Jugendlichen wurden mit Hilfe von Warnschüssen gestoppt. Gegen Ende der 1980-iger Jahre flohen immer mehr DDR-Bürger über die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost – Berlin und die Botschaften der Bundesrepublik in Prag und Budapest. Über die Botschaften flohen vor allem Wissenschaftler und Ärzte. Diese Flüchtlingswelle erreichte 1989 ihren Höhepunkt, denn die Grenzanlagen zwischen Ungarn und Österreich wurden abgebaut! Die folgende Statistik zeigt noch einmal einen Überblick über die Flüchtlingszahlen etc.

Im folgenden Teil wird u.a. gezeigt, wie und mit welchen Mitteln die Flüchtlinge geflohen sind! Innerhalb des 1. Jahres seit Bestehen der Mauer (1961) ereigneten sich 14 Durchbrüche mit schweren Fahrzeugen. Das folgende Bild zeigt einen Omnibus, der auf einer Strecke von 100 Metern von allen Seiten beschossen wurde. Der Fahrer fuhr trotzdem weiter. Der Durchbruch gelang nicht, es gab viele Schwerverletzte. Die Mauer wurde mit der Zeit immer besser ausgebaut und somit gelangen immer weniger solcher Durchbrüche!
Abb.3 Bus Natürlich versuchten die Flüchtlinge auch zu fliehen, indem sie sich in Fahrzeugen versteckten. Oft gelang die Flucht mit diesem Vorgehen, aber nach einigen Jahren hatten die Grenzkontrolleure geeichte Maßstäbe, mit denen sie die Abmessungen von jedem Fahrzeugtyp kontrollieren konnten. Abb.4 IsettaAus diesen Kontrollen war nur das kleinste aller Automobile ausgeschlossen, die " Isetta ". Sich darin zu verstecken schien unmöglich, trotzdem versteckten sich 1964 neun Flüchtlinge darin, wo sonst die Heizanlage und Batterie ist, und die Flucht gelang!!! Abb.5 Tunnel 1 Die größte Massenflucht gelang in einem selbstgegrabenen Tunnel. Er war 145 m lang und verlief in 12 m Tiefe. In einem Toilettenhaus war der Einstieg und im Keller einer ausgedienten Bäckerei ( vom Initiator gemietet ) der Ausstieg! Nach einem halben Jahr harter Arbeit konnten 57 Menschen durch den Tunnel fliehen! Abb.7 Soldat Das folgende Bild ging (sprichwörtlich) um die Welt! Der erste Volksarmist floh am 15.08.1961. Manche DDR-Bürger wurden Grenzsoldat, in der Hoffnung, größere Chancen zur Flucht zu haben. Abb.8 Taucher Mit viel Einfallsreichtum gelang diesem Flüchtling die Flucht. Ein Mann baute sich aus einem Fahrradhilfsmotor ein Mini – U – Boot und ließ sich damit durch die Ostsee nach Dänemark ziehen ( 25 Kilometer in 5 Stunden ). Von einer westdeutschen Firma wurde der Erfinder sofort eingestellt um ein Serienmodell zu entwickeln, das für Rettungsdienste eine Revolution werden sollte! Abb.9 Ballon 1 1979 flohen 2 Familien in einem Heißluftballon. In 28 Minuten legten sie 40 Kilometer zurück und erreichten sicher ihr Ziel. Die Erbauer hatten sich alle ihre Kenntnisse allein durch Fachliteratur angeeignet und testeten selbst verschiedene Stoffe und Brennmaterialien! Abb.12 Auto unter Schranke Die 2 folgenden " Fluchtmethoden " zeigen wie mit einfachen Mitteln die Möglichkeit bestand zu fliehen, zumindest in den ersten Jahren des " Mauerbestehens "! Ein Österreicher hatte in Westberlin in einem Autoverleih ein Fahrzeug entdeckt, das niedrig genug war, um unter einem Schlagbaum hindurchzupassen! Die Flucht gelang ihm, seiner Braut und seiner Schwiegermutter! Auch ein Argentinier hatte diese Idee, als er das gleiche Auto im gleichen Geschäft entdeckte, und auch er floh mit seiner Braut! Später wurden allerdings Hängestäbe an die Schlagbäume gebaut, so dass eine Flucht in dieser Form unmöglich wurde. Abb.13 Uniform Diese Ostberlinerin schneiderte für ihre Freunde sowjetische Uniformen, welche den Gruß der sowjetischen Offiziere sehr gut einstudiert hatten. Die Frau wurde im Wagen versteckt und als die Männer "sowjetisch" grüßten, erwiderten die Kontrollposten den Gruß respektvoll. Nach geglückter Flucht wurde die Frau aus ihrem Versteck geholt.

Strafverfolgung von Flüchtlingen

Es gab im Strafgesetzbuch ( StGB ) von 1975 insgesamt 3 Paragraphen, die sich mit dieser Problematik befaßten. Der erste war § 254. Er befaßte sich mit der Fahnenflucht. Dieser Paragraph galt nur für Angehörige des Militärs. Man beging Fahnenflucht, wenn man die Dienststelle, die Truppe oder einen anderen für sich bestimmten Aufenthaltsort verließ oder ihm fernblieb, um sich dem Wehrdienst zu entziehen. Allgemein wurde Fahnenflucht mit 1 - 6 Jahren Haft bestraft. In besonders schweren Fällen konnte die Strafe zwischen 2 und 10 Jahren betragen. Dieser Fall lag dann vor, wenn die Fahnenflucht von mindestens 2 Militärpersonen durchgeführt wurde, man das Gebiet der DDR verlassen oder in ihm verbleiben wollte. Sowohl die Vorbereitung, als auch der Versuch der Fahnenflucht waren strafbar. Der zweite Paragraph war § 213. In ihm ging es um den ungesetzlichen Grenzübertritt. Das widerrechtliche Verlassen des Staatsgebietes der DDR wurde mit 1 - 2 Jahren Haft (auch auf Bewährung), einer Geldstrafe oder einem öffentlichen Tadel bestraft. In besonders schweren Fällen wurde man mit 1 - 5 Jahren Haft bestraft. Das geschah dann, wenn Grenzanlagen beschädigt wurden, Werkzeuge mitgeführt wurden die diesem Zweck dienten, wenn Ausweise oder Grenzübertrittsdokumente gefälscht oder mißbraucht wurden oder wenn man wegen dieser Delikte schon vorbestraft war. Auch hier waren die Vorbereitung und der Versuch strafbar.
Der letzte Paragraph war §105. Darin ging es um staatsfeindlichen Menschenhandel. Darin hieß es, das der, der Bürger der DDR in außerhalb des Staates liegende Gebiete abwirbt, verschleppt, ausschleust oder deren Rückkehr verhindert, mit mindestens 2 Jahren Haft bestraft wurde. In besonders schweren Fällen konnte die Strafe auch lebenslänglich verhängt werden. Gegenüber des StGB΄s von 1975 gab es in dem von 1986 einige Veränderungen, die den § 213 betrafen. Nun galt als ungesetzlicher Grenzübertritt, wenn die Staatsgrenze widerrechtlich passiert wurde oder wenn man nicht fristgemäß in die DDR zurückkehrte. Der Versuch und die Vorbereitung waren ebenfalls strafbar. Man wurde mit bis zu 2 Jahren Haft bestraft. In besonders schweren Fällen konnte die Strafe auf 1 - 8 Jahre ausgedehnt werden.
Der Vorbereitung, zum Beispiel des Verlassens der DDR, konnte man angeklagt werden, wenn man mit diesem Gedanken spielte und diesen in irgendeiner Form festhielt. Dies konnte zum Beispiel in der Form sein, dass man auf einer Karte den Verlauf der Grenze und eine Fahrtrute einzeichnete. Des Versuchs des Verlassens der DDR wurde man angeklagt, wenn man zum Beispiel im Sperrgebiet erwischt wurde. Wenn man auf einen Grenzer schoß oder sich mit einer anderen Waffe gegen eine Festnahme wehrte, galten härtere Strafen, als die oben aufgeführten. So konnte man auch zu lebenslanger Haft verurteilt werden.

Bildnachweis

Abbildung 1:
Möbius Peter und Trotnow Helmut mit Unterstützung des Deutschen Historischen Museums, " Mauern sind nicht für ewig gebaut - Zur Geschichte der Berliner Mauer ", Propyläen Verlag, Berlin 1990, Abbildung 11.

Abbildung 3:
Hildebrandt Dr. Rainer, " Es geschah an der Mauer ", Verlag Haus am Checkpoint Charlie Berlin, 1986, 15. erweiterte Auflage, Seite 30 – 31

Abbildung 4:
Hildebrandt Dr. Rainer, " Es geschah an der Mauer ", Verlag Haus am Checkpoint Charlie Berlin, 1986, 15. erweiterte Auflage, Seite 61

Abbildung 5:
Hildebrandt Dr. Rainer, " Es geschah an der Mauer ", Verlag Haus am Checkpoint Charlie Berlin, 1986, 15. erweiterte Auflage, Seite 66

Abbildung 7:
Hildebrandt Dr. Rainer, " Es geschah an der Mauer ", Verlag Haus am Checkpoint Charlie Berlin, 1986, 15. erweiterte Auflage, Seite 120

Abbildung 8:
Hildebrandt Dr. Rainer, " Es geschah an der Mauer ", Verlag Haus am Checkpoint Charlie Berlin, 1986, 15. erweiterte Auflage, Seite 59

Abbildung 9:
Hildebrandt Dr. Rainer, " Es geschah an der Mauer ", Verlag Haus am Checkpoint Charlie Berlin, 1986, 15. erweiterte Auflage, Seite 73

Abbildung 12:
Hildebrandt Dr. Rainer, " Es geschah an der Mauer ", Verlag Haus am Checkpoint Charlie Berlin, 1986, 15. erweiterte Auflage, Seite 40

Abbildung 13:
Hildebrandt Dr. Rainer, " Es geschah an der Mauer ", Verlag Haus am Checkpoint Charlie Berlin, 1986, 15. erweiterte Auflage, Seite 63

Statistik:
Pleticha Heinrich, " Deutsche Geschichte ", Bertelsmann Lexikon Verlag, Seite 225

Literaturverzeichnis

- Duft Dr. Heinz, " Strafgesetzbuch – StGB ", Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1975, 2. Auflage

- Gerberding Dipl. – Jur. Rolf, Duft Dr. Heinz, Horlamus Dipl. – Jur. Irina, Pruss Dipl. – Jur. Ursula, Teichler Dipl. – Jur. Gert, " Strafgesetzbuch – StGB ", Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1986, 6. Überarbeitete und erweiterte Auflage

- Hildebrandt Dr. Rainer, " Es geschah an der Mauer ", Verlag Haus am Checkpoint Charlie Berlin, 1986, 15. erweiterte Auflage

- Karau Gisela, " Grenzerprotokolle - Gespräch mit ehemaligen DDR – Offizieren ", dipa - Verlag GmbH, Frankfurt am Main 1992, 2. Auflage

- Möbius Peter und Trotnow Helmut mit Unterstützung des Deutschen Historischen Museums, " Mauern sind nicht für ewig gebaut - Zur Geschichte der Berliner Mauer ", Propyläen Verlag, Berlin 1990

- Pleticha Heinrich, " Deutsche Geschichte ", Bertelsmann Lexikon Verlag

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