- Das Heer in der Republik
- Aufbau / Ausrüstung des Heeres
- Die Heeresreform des Marius
- Die Armee nach den Reformen des Marius
- Der Limes
- Die Kampfweise der Römer
- Die Erfolgsproblematik
Zur Zeit der Republik Roms (um 470-27 v. Chr.) war das römische Heer
ähnlich einem Hoplitenheer Griechenlands aufgebaut, da Bewaffnung
und Schlachtordnung von den Etruskern und Griechen übernommen wurden.
Ähnlich wie bei der Phalanx gab es auch hier drei Kampflinien, bestehend
aus Lanzenträger, Schwerbewaffneten und einer Eingreifreserve.
Im Vergleich zur Phalanx war diese Aufstellung jedoch beweglicher.
Jeder Mann im Alter zwischen 17 und 45 Jahren konnte zum Kriegsdienst
eingezogen werden. Diese Soldaten erhielten keinen Sold, sondern lebten
von Kriegsbeute und Plünderungen. Jeder hatte die Kosten für seine Bewaffnung
selbst zu tragen und so kam es, dass Arme, die sich das nicht leisten konnten,
als Leichtbewaffnete und Hilfstruppen dienten. Während der Schlacht nahmen sie
dann die Waffen der gefallenen Soldaten auf und kämpften mit diesen weiter.
Das römische Heer war also kein stehendes Heer, sondern ein Miliz- oder
Bürgerheer, welches nur in Kriegszeiten einberufen wurde.
War die römische Armee anfangs nur auf Landstreitkräfte beschränkt, so wurde
mit der Expansion Roms im Mittelmeerraum, ab dem ersten Punischen Krieg
(264-241 v. Chr.), mit dem Aufbau einer schlagkräftigen Flotte begonnen.
Diese unerfahrene Flotte siegte 256 v. Chr. bei Eknomos über die karthagische
Flotte, welche damals das gesamte Mittelmeer beherrschte und wurde so selber
die stärkste Macht im Mittelmeerraum. Die dabei verwendeten Kriegsschiffe waren
die Größten der Antike und trotz ihrer schweren Bewaffnung sehr wendig. Diese
sogenannten Galeeren wurden gerudert, besaßen aber auch ein Segel für einen
schnellen Antrieb. Bewaffnet waren sie mit einem bronzenen Rammsporn, einem
Turm für Bogenschützen, einer Enterbrücke und Geschützen auf dem Oberdeck,
die Pfeile, Steine oder mit "griechischem Feuer" gefüllte Töpfe verschießen konnten.
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Die Ausrüstung eines Legionärs bestand aus einer Wurflanze (pilum), dem Kurzschwert (gladius), einem Dolch, Helm, Schienenpanzer, eventuell Beinschienen, einem rechteckigen Schild, einem Wollmantel für schlechtes Wetter und einem Paar genagelter Sandalen. |
Das Heer war in Legionen unterteilt, welche in der Regel 5300 Mann
umfassten, aber auch von Zeit zu Zeit in ihrer Stärke zwischen
3000-6000 Mann variieren konnte. Zu jeder Legion gehörten 300 Reiter
(alen) als Flankenschutz und Hilfstruppen (auxiliar), welche von den
Bundesgenossen, meist unterworfene Völker, gestellt wurden. Einige
dieser "barbarischen" Völker waren wegen ihrer besonderen Fähigkeiten
sehr geschätzt. So z.B. Germanen und Bretonen als Kundschafter, Syrer
als Bogenschützen, Thraker, Gallier und Iberer als Reiter. Diese
spezialisierten Einheiten bildeten ab dem 2. Jahrhundert den neuen Typ
des numerus. Außerdem gehörten zum Heer noch Versorgungs- und
Trosseinheiten und in späteren Zeiten eine Artillerie in Form von Katapulten.
Die Taktik und Disziplin im römischen Militär waren unübertroffen.
Es herrschte eine strenge
Hierarchie, an dessen Spitze der Kaiser stand. Dann kam der
Prätorianer-Präfekt, der eine Art Kriegsminister war. In den
Provinzen unterstanden die Regionalheere einem General, dem Armeelegaten.
Jede einzelne Legion wurde von einem Legaten, 7 Offizieren und 59
Zenturionen geführt. Die bisher starren Legionen waren erstmals
aufgelockert in 10 Kohorten (erste Kohorte 800, zweite bis zehnte
Kohorte 480 Mann stark) und Manipel (ca. 150 Mann) und konnten auf
dem Schlachtfeld einzeln geführt werden. Jede einzelne Kohorte bestand
aus 6 Zenturien zu je 80 Mann. Daraus ergab sich eine größere Beweglichkeit,
Durchschlagskraft und vielfältigste Verwendungsmöglichkeiten, wie z.B. die
Bildung von Reserve- und Aufklärungseinheiten.
Die römische Armee war anfangs noch ein Bürgerheer und bestand meist aus gewöhnlichen Bauern, deren Kriegsdienst im März nach der Aussaat begann und im August, kurz vor der Ernte endete. Nun wuchs das römische Reich aber und begann sich auszudehnen, was zur Folge hatte, dass in den besetzten Gebieten ständig Besatzungstruppen stationiert werden mussten oder die Soldaten kamen in langen Feldzügen (z.B. den Punischen Kriegen) jahrelang nicht nach Hause. Diese Bauern konnten dann ihre Felder nicht bestellen und in der Armee herrschte ein Mangel an Soldaten.So begannen 107 v. Chr. die Reformen des Gaius Marius. Aus dem früheren Bürgerheer wurde ein stehendes Söldnerheer, ähnlich einer Berufsarmee. Die Soldaten erhielten Sold und jeder Taugliche, auch Arme, konnte eintreten, wodurch der Armee nun ausreichend Soldaten zur Verfügung standen. Die einzige Ausnahme bildeten Sklaven. Sie wurden nicht als würdig betrachtet Waffen zu tragen. Wie bei der eigentlichen Verfassungsänderung nach dem Ende der Republik kam es auch hier zur neuen Heeresverfassung der Kaiserzeit.
Nach den Reformen wuchs das Heer stetig mit der Größe des römischen Reiches
mit. Da fast jeder römische Mann der Armee beitreten konnte und dies im
Kriegsfall auch musste, standen in einem solchen
Falle bis zu 2/3 der männlichen Bürger und Bauern unter Waffen. Zusätzlich
stand jedem römischen Kontingent auch ein gleichstarkes Kontingent an Soldaten
der Bundesgenossen Roms zur Verfügung. Aus diesen Regelungen resultierte ein
riesiges Potential an Kräften, welches von keiner anderen Macht übertroffen
wurde. Um die Ordnung aufrecht zu erhalten, war die Disziplin in der römischen
Armee so streng, wie in keiner anderen. Es gab sogar spezielle Marsch- und
Lagerordnungen. Als einzigste damalige Armee bauten sich die Römer beim Marsch
durch Feindesland jeden Abend ein Lager (castra) zum übernachten, welches aus
einem Wall, Graben, Toren, Zeltreihen, Wegen, einem Appellplatz mit Feldherrenzelt
und vielem mehr bestand. Um diesen Bau zu ermöglichen, musste jeder Legionär
auf solch einem Marsch zwei Schanzpfähle, einen Zeltstock und einen Spaten
mitführen. Bei der größten territorialen Ausdehnung Roms standen 400´000 Mann
oder 80 Legionen unter Waffen, was im Vergleich zu Tausenden Kilometern Grenze,
die bewacht werden mussten, den ständigen Eroberungsfeldzügen der Römer und dem
Ansturm vieler feindlicher Stämme auf das römische Reich, keine verhältnismäßig
große Zahl darstellte.

Da es im Norden des römischen Reiches ständig Einfälle und Verwüstungen durch
kriegerische Germanenstämme gab, beschloss man die Nutzung natürlicher Grenzen,
wie zum Beispiel Flüsse und Gebirge. Wo dies nicht möglich war, begann man mit
der Schaffung von künstlichen Abwehrlinien in Form von Schneisen, Wällen und
Palisaden. Militärisch wichtiger und deshalb auch konsequent ausgeführt, war
der Bau eines tief gestaffelten Systems von Wachtürmen, Kastellen und
Legionslagern. So erhoffte man sich eine bessere Verteidigung gegenüber den
Germanen und somit eine bessere Sicherung
des Reiches. Ein Musterbeispiel für diese Abwehrlinie war der
Obergermanisch-Rätische Limes, welcher von Bonn bis zur Ostalb an der Donau
reichte. Nach der vernichtenden Niederlage dreier römischer Legionen des Varus
(9 n. Chr.) im Teutoburger Wald, begann man mit dem Ausbau der
Rhein-Iller-Donau-Grenze. Von Kaiser Domitian (90 n. Chr.) bis Kaiser Hadrian
(117 bis 138 n. Chr.) wurde dieser Limes zu einer durchgehenden Grenzbefestigung
ausgebaut. Er bestand aus einem Wall, einem Graben und Palisaden. Beim rätischen
Limes verwendete man statt der Palisade eine Steinmauer. Dahinter standen in
Sichtweite zueinander Wachtürme, welche sich im Notfall durch Licht- und
Rauchzeichen untereinander verständigen konnten. Wiederum hinter diesen
Wachtürmen befand sich ein Netz bestehend aus Kastellen und Legionslagern, die
durch ein Straßensystem miteinander verbunden waren. Die Kastelle hatten eine
Besatzung von 150, 500 oder 1000 Mann und besaßen vier Tore in Anordnung eines
Achsenkreuzes der Lagerstraßen. Es gab Einrichtungen wie in einer kleinen Stadt
mit Lazaretten, Magazinen und außerhalb des Lagers gab es meist ein Lagerdorf
mit Niederlassungen von Händlern, Handwerkern und Bauern, die im Schutz dieses
Kastells lebten. Durch Signalverbindungen zu den vordersten Grenzposten konnten
die Besatzungen bei Alarm schnell eingreifen. So konnten Einbrüche sofort
abgefangen werden und Soldaten zur Abwehr und Vertreibung der Eindringlinge
standen bereit. Eine ähnliche Befestigung war auch der Hadrianswall in England.
Anfangs rückten die Römer in der Schlacht in drei starren Linien vor und versuchten den Gegner durch Druck niederzuwerfen. Später verwendeten sie statt der Lanzen einen Wurfspeer, wovon jeder zwei besaß. Diese Speere hatten hinter der Spitze einen langen, dünnen Eisenschaft, der sich nachdem er auf den Feind geschleudert wurde, beim Aufprall verbog. So wurde verhindert, dass der Feind Speere, die ihr Ziel verfehlt hatten, wieder zurück werfen konnte. Außerdem wurden die drei Linien (Treffen) in Manipel gegliedert.Die vordere Linie der Leichtbewaffneten (principes) versuchte zuerst mit Schleudern und Pfeilen die Reihen des Feindes zu lockern. Dann warf die Hauptstreitmacht (hastati) aus 20 Metern Entfernung ihre 1,80m langen Wurfspeere und drang anschließend mit dem Kurzschwert auf den Gegner ein. Wurden diese Einheiten umzingelt oder waren sie starkem Beschuss durch Pfeile ausgesetzt, bildeten sie mit Hilfe ihrer Schilde die sogenannte "Schildkröte". Durch die Einteilung der Linien in einzelne Manipel (Manipulartaktik) erreichte die Streitmacht eine größere Beweglichkeit. Gegen die keilförmig angreifenden Germanen, wehrte man sich mit der Schaffung von größeren Kohorten (500-600 Mann) in kompakter Formation, um dem Druck widerstehen zu können.
Durch die Umformung des Marius der Armee in ein Söldnerheer, mussten die Soldaten nun auch regelmäßig entlohnt werden, sonst drohten Plünderungen, Unzufriedenheit und gar Meutereien. Meist bekamen die Söldner nach 20 Jahren Dienstzeit ein Stück Land zur Pension zugesprochen. Da das vorhandene Land aber bereits in den Händen der Nobilität (Adel) war, war man gezwungen neues Land zu erobern, welches dann verteilt werden konnte. Mit der Umwandlung in ein Söldnerheer kämpften die Legionäre nun nicht mehr für gesamtstaatliche Interessen, sondern einfach für das Geld, welches sie bekamen. Reiche Persönlichkeiten konnten dies auch missbrauchen und gegen Bezahlung die Söldner gegen die eigenen Leute kämpfen lassen. Somit konnte eine Gefahr für den Zusammenhalt des Reiches entstehen. Da die Armee früher ein Bürgerheer war und die Bürger den Krieg als etwas Notwendiges, manchmal sogar als etwas Wünschenswertes ansahen, gab es eine durchaus positive Einstellung zum Militär, was die Expansionspolitik Roms förderte. In den Köpfen der Soldaten entstand ein ideeller Wert für die eigene Armee, welcher ein Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen Völkern erzeugte. Aus all diesen Gründen waren militärisch Erfolgreiche hoch angesehen und bekamen politische Macht, welches ein typisches Merkmal für Rom darstellte. Als Folge besetzten viele unfähige und mächtige Reiche hohe Positionen im Heer. Dadurch begannen die Kriege für Rom meist mit großen Niederlagen.Eine Niederlage in der Schlacht wog gleich doppelt schwer. Einmal gegenüber den Feinden, von denen Rom viele hatte, im Gegensatz zum eigenen relativ kleinen Heer und zum anderen mit dem Verlust der politischen Macht für den Feldherren. Eventuell bedeutete es sogar den Verlust des Kaisertitels, wenn andere Erfolgreiche diese Niederlage ausnutzten oder es kam zu einer Ächtung der Soldaten. Zusammenfassend kann man sagen, dass jemand ohne militärischen Erfolg kaum Chancen auf ein hohes ziviles Amt hatte.
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