- Tiberius Semprouius Gracchus
- Caius Semprouius Gracchus
- Wandlung der Machtverhältnisse und die damit verbundenen Probleme
- Sizilien als Vorbote der Polarisierungsproblematik
- Ansatzpunkte der Gracchen für ihre Reformen
- Zusammenfassung
Die Ausarbeitung dieser Thematik erfolgte im Rahmen einer Referatreihe im Geschichte Leistungskurs der Klassenstufe 11. Sie umfaßte verschiedene Persönlichkeiten, sowie Bereiche und Ereignisse im römischen Reich.
Der ab 133 v.Chr. zum römischen Volkstribun ernannte Machthaber setzte sich vor allem für Reformen zur Stärkung des freien Bauerntums ein. Die Regenerierung der militärischen Kraft Roms sollte folgen, ebenso wie das Ackergesetz und die Ansiedlung der Proletarier auf Staatsland. Letzteres gedachte er durch den beträchtlichen Nachlaß Attalos III von Pergamon zu finanzieren. Sein verfassungswidriges Handel, wie z.B. die Absetzung eines Volkstribun zur Durchsetzung seiner Ziele, die Ignorierung der Senatsmehrheit zur Verabschiedung von Gesetzen oder die verfassungswidrige Absicht ohne Unterbrechung zum zweiten mal Volkstribun zu werden, beschehrte ihm viele Feinde. Als Vergeltung für diese vielfälltigen Rechtsbrüche wurde er im Jahre 132 v. Chr. von Anhängern des Senats erschlagen. Dieses Ereignis eröffnete das Zeitalter der Bürgerkriege in Rom mit dem Übergang zur Republik und dem folgenden Prinzipiat.
Der Jüngere der beiden Gracchen Brüder bestritt seinen Weg als römischer Politiker, als er 134v. Chr. zum obersten Vertreter des Militärs, zum Militärtribun, ernannt wurde. Er arbeitet in diesem Amt bis 132 v. Chr.. Parallel dazu war er von 133 bis 121 v. Chr. Mitglied der Ackerkommission und 126 bis 124 v. Chr. als Quästor tätig. Der Durchbruch gelang ihm mit der Ernennung zum Volkstribun im Jahre 123 v. Chr.. Die Wiederaufgreifung der Reformversuche seines Bruders, dessen Durchsetzung und die Weiterführung dieser waren fester Bestandteil seiner Ziele. Präzisiert hieß das für ihn: Eine Koalition von Plebs und Rittern gegen die Nobilität zu erwirken, eine Wiedereinführung der Ackergesetze, die Verteilung billigen Getreides an Arme, die Milderung des Militärrechts und die Gründung von Kolonien außerhalb Italiens. Viele dieser Bestrebungen entstanden aus der Notwendigkeit der Stärkung seiner Machtposition. Der Versuch römisches Bürgerrecht auch an italienische Bundesgenossen ging anscheinend zu weit, da dies vom Senat abgelehnt wurde. Mit dem Ablauf der Amtszeit Caiuses wurden auch seine Gesetze durch die Koalition aus Senat und Rittern für nichtig erklärt. Diese Handlungsweise provozierte in einer ohnehin turbulenten Zeit neue Auseinandersetzungen. Caius Semprouius Gracchus starb auf eigenen Wunsch im Jahre 121 v. Chr. durch die Hand eines Sklaven.
Das römische Reich lag in einer Adaptionskrise nach seiner vorrausgegangenen,
stürmischen Expansion. Daraus resultierend erfolgte der Übergang von einer
einfachen Verfassung eines bäuerlichen Stadtstaates zu der eines Weltreiches.
Ohne Frage gestaltete sich dies nicht gerade einfach. Hellenisierung und die
Bereicherung der Oberschicht in Form von Geld, Sklaven, aus dem Fernhandel oder
Beute sind als Konsequenzen der Expansion in den Osten. Die weitreichende
Bedeutung dieser Bereichung wird klar, wenn man sich vor Augen führt, daß die
nun wohlhabenden Schichten in politische Ämter drängten und die Führungsschichten
sie gewähren ließen. Der althergebrachte Zusammenhang von Einfluß aus
entsprechendem Reichtum verliert weitgehend an Bedeutung, da nun jeder über
größere Geldmittel verfügt und dies nun nicht mehr als ausschlaggebenes Kriterium
wirkt. Diese Neuerung faßt ab dem 3. bis zum 2. Jahrhundert Fuß.
Zwei weitere Wege zur Einflußnahme liegen exemplarisch beim Rittertum und dem Adel
vor. Ab 218 v. Chr. ist das Rittertum vom Adelsstand unabhängig und es sind
nunmehr Leistung und Ausrüstung für das politische Stimmrecht ausschlaggebend.
Konsequenz ist der Verlust an politischen Einfluß und eine Erschließung der
Alternativgebiete Handel und Geldverleih. Der Erfolg wird durch Zunahme ihres
politischen Gewichtes belohnt. Dem Adel sind die Geld- und Handelsgeschäfte
untersagt. Sie widmen sich der Pacht und dem Ankauf von eroberten Land vom
römischen Staat. Ihr Grundbesitz vergrößert sich enorm, was auch ihren politischen
Einfluß festigt. Leidtragender dieser politischen Differenzierung ist das
Bauerntum. Es ist der Verlierer bei der wachsenden Polarisierung zwischen
Wohlhabenden und Proletariern.
Sizilien galt als Kornkammer Roms, die vorwiegend auf Sklavenarbeit in Latifundien beruhte. Mehrere Sklavenaufstände, als Antwort auf Unterdrückung und Ausbeutung, endeten erst unter Spartacus im Jahre 71 v. Chr., nach über 64 Jahren. Eine unauffällige, parallele Entwicklung ereilte Italien. Die lange Dauer der Punischen Kriege und die, insbesondere im 2. Punischen Krieg, aufgetretenen materiellen Zerstörungen und personellen Verluste, hatten ein Schwächung des Bauerntums zur Folge. Darüberhinaus strömten seit 200 v. Chr. Geld und Sklaven, für die billige und intensive Arbeit in den Latifundien, aus dem reichen Osten ein. Statt das Bauerntum zu unterstützen, wurde es durch die Einführung von billigem Getreide durch die Ritter niederkonkurriert. Ihre verschuldeten Güter mußten verkauft werden. Als landlose Bauern bot sich ihnen nur die Alternative nach Rom zu ziehen. Der von ihnen angestrebte Dienst im Heer wurde aufgrund der Selbstausrüstung verwehrt, was eine dramatische Schwächung des Militärs zur Folge hattte. Als Risiko stehen zunehmend auch die Bundesgenossen im Blickpunkt. Durch die Kriege sind sie mit hohen Steuer- und Zollabgaben belastet, wobei sie von den Siegen widerum nicht profitieren. Ihre Loyalität steht in Frage und kann aufgrund des geschwächten Heeres auch nicht erzwungen werden.
Für sein Ackergesetz hatte Tiberius die Grundregel: Keine Familie soll mehr als 1000 Morgen Land besitzen. Das dadurch freiwerdende Land geht in den Besitz der bis dato Besitzlosen über. Caius griff diesen Vorschlag wieder auf, allerdings auf breiterer Ebene. Im Gegensatz zu Tiberius konnte sich Caius der Unterstützung der Ritter gegen die Senatsaristrokratie gewiss sein. Da die Ritterschaft nun zur Wahl als Geschworene bei Gericht zugelassen wurden, konnte die Durchsetzung per Plebiszit gegen die Nobilität erfolgen, bzw. wurde ermöglicht. Weitere Reformversuche galten der Versorgung und Unterstützung des Proletariats, sowie der Ausdehnung des römischen Bürgerrechts auf die italienischen Bundesgenossen. Damit sollte eine engere Bindung an Rom erzielt werden, die er durch die Schätze des Pergamon zu finanzieren gedachte.
Durch die Brüder wurden zwei zentrale Probleme aufgeworfen und thematisiert.
1. Welche Position bzw. Funktion das Proletariat in Staat, Heer und
Gesellschaft einnimmt?
2. Welche Stellung nehmen die Bundesgenossen im römischen Reich ein?
Die Gracchen leiteten mit ihrem Tode das Zeitalter der Bürgerkriege ein, begründet
auf ihren Reformversuchen. Das Prinzipiat kann durch sie als beendet betrachtet
werden.