Zyklopie



In der Mytologie spricht man nicht von Zyklopen, sondern von Kyklopen, was aus dem griechischen übersetzt "Rundauge" heißt. Unter ihnen stellte man sich Riesen mit nur einem Auge mitten auf der Stirn vor. Die Riesen waren ein rohes, kulturloses und menschenfressendes Volk. In den ältesten griechischen Sagen werden die Kyklopen als Söhne von Uranos ( Gott des Himmels ) und Gaja ( Mutter der Erde ) dargestellt. Später sprach man von Kyklopen nur noch im Zusammenhang mit Hephaistos, dessen Schmiede sie waren. Sie gelten auch als Erbauer der "kyklopischen Mauern". Die einzelnen Steine dieser Mauern waren für damalige Verhältnisse so groß, dass sie nach Vorstellung der alten Griechen nicht von Menschen, sondern nur von Riesen, den Kyklopen, erbaut werden konnten. Auch in der Medizin kennt man einäugige Wesen, die Zyklopen genannt werden. Ärzte sprechen bei dieser Krankheit von "Zyklopie" ( auch Cyklopie ). Seinen Ursprung hat das Wort in der "Odyssee" von Homer. In der Sage kämpft Odysseus gegen den einäugigen Riesen Polyphem, der ein Kyklop war. Die Größe des Kyklopen war allerdings eine Übertreibung Homers. Anatomisch gesehen gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen Kyklopen und Zyklopen. Beide besitzen nur ein Auge auf der Stirn und ein rüsselförmiges Nasenrudiment ( Proboscis ). Medizinisch gesehen handelt es sich bei einem Zyklopen um ein Kind mit einer Gesichtsschädel-Hirn-Mißbildung. Die Kinder haben nur ein einziges Auge in der Gegend der Nasenwurzel und meist noch oberhalb des Auges ein rüsselförmiges Nasenrudiment. Die Mundspalte ist bei ihnen kleiner als normal oder gar nicht ausgebildet. Auf Grund ihrer Fehlbildung sind Zyklopen aber meist nicht lebensfähig.



Bildung eines Zyklopenauges

Normalerweise verläuft die Ausbildung der Augenanlagen folgendermaßen. Nachdem sich die befruchtete Eizelle mehrmals geteilt hat, bilden sich die 3 Keimblätter (Ektoderm, Mesoderm, Entoderm) heraus, aus denen sich die unterschiedlichen Organanlagen herausdifferenzieren. Aus dem Ektoderm bildet sich die Nerven- oder Neuralplatte, aus der das Nervensystem entsteht, heraus. Die Neuralplatte vertieft sich am 18. Tag nach der Befruchtung zur Neuralrinne. Diese schließt sich am 21. Tag nach der Befruchtung, von der Mitte her beginnend, zum Neuralrohr. Aus dem vorderen Teil des Neuralrohres, welches auch Gehirnbläschen genannt wird, entwickelt sich das Gehirn. Das Rückenmark entwickelt sich aus dem hinteren Teil des Neuralrohres. Die beiden Augenanlagen schnüren sich aus dem Gehirnbläschen ab, und entwickeln sich bis zur Geburt zum normalen Linsenauge. Die Herausbildung des Auges wird, wie alle Differenzierungsvorgänge, durch eine Genkaskade ( Gen Ein- /- Ausschaltung ) gesteuert. ZykIopie entsteht durch die Verschmelzung der beiden Augenanlagen oder Teilen dieser in einem frühen Entwicklungsstadium des Embryos.