Die Geschichte der Charité



Anfang des 18. Jahrhunderts grassierte in Nordosteuropa eine Pestepidemie. Bei zunehmender Seuchengefahr musste man ein "Pesthaus" errichten, so schrieb es das "Pestregelement" vor. Ein Pesthaus musste außerhalb der Stadt errichtet werden und hatte den Zweck, infizierte Personen abzuschotten um die Epidemie zu stoppen. Auch in Berlin ...ein Charité-Gebäude... entstand so ein Gebäude, man nutzte dieses Pesthaus als Lazarett- und Quarantänehaus. Als die Pestepidemie überstanden war, nutzte man diese Gemäuer zunächst als Hospital. Indem man ab 1713 Medizinalberufe unterrichtete, dieses war aber vorrangig dem Militär und gut bemittelten Zivilpersonen vorbehalten. Professoren hielten anatomische Vorlesungen, die man aber bald auf andere medizinische Lehrgegenstände ausdehnte, wie z.B. Pathologie, Physiologie, Arzneimittellehre und Botanik. Man sezierte menschliche Leichen und demonstrierte somit den Bau und die Lage innerer Organe. So bildete sich mit der Zeit eine medizinische Weiterbildungsstätte, die ebenfalls überwiegend dem Militär und gut bemittelten Zivilpersonen zur Verfügung stand. 1724 lenkte das Berliner Collegium medico- chirurgicum den medizinischen Unterricht in geordnete Bahnen. 1726 wurde auf Anlass von Friedrich- Wilhelm 1. aus dem Pesthaus ein Garnisonslazarett, dass auch weniger gutbemittelten Personen die Chance gab, ihren Wunsch auf einen Medizinalberuf zu verwirklichen. Nun wurden allerdings Baumaßnahmen fällig, weil sich Platzmangel bemerkbar machte. Es entstanden weitere Gebäude und das Hauptgebäude wurde vergrößert. Der Staat unterstützte diesen Ausbau finanziell sehr stark. Das Hospital war vergrößert und somit war es möglich mehr Menschen zu pflegen, dass wiederum wäre für jeden einzelnen sehr kostenaufwendig gewesen. Also wendete sich die Verwaltung mit einem Bittschreiben an den König, indem sie um steuerfreien Bezug von Roggen für die Patientenkost baten. Der König war von der Barmherzigkeit gerührt und somit bekam das Garnisonslazarett einen Namen. Es soll Charité heißen. Die Charité sollte eins der bekanntesten und bedeutensten Hospitalen Berlins werden. Dem stand fast nichts im Weg, denn bevor sich ein studierter Arzt niederlassen konnte, um zu praktizieren, musste er eine anatomische Prüfung und ein Examen ablegen. Mit theoretischem Universitätswissen allein ist das kaum möglich. Also nutzten viele die medizinische Ausbildung an der Charité, dort wurde einem theoretisches Wissen und praktische Übungen an Patienten gekoppelt angeboten Durch diese praxisbezogene Ausbildung, die es damals nur selten gab, wurde die Charité zum Vorbild. 1810 wurde die Berliner Universität gegründet; sie war eine separate Ausbildungsstätte zur Charité. Da man an der Berliner ...der zerstörte Hörsaal Rudolph Virchows... Universität hauptsächlich theoretisches Wissen erlangte, nutzte man die Charité zunehmend als Universitätsklinik. 1828 wurde sogar die Medizinische Klinik, als erste Universitätsklinik in die Charité verlegt. Im Zeitraum von 1831-1835 wurde ein neues Gebäude nördlich der "Alten Charité" gebaut, dieses Gebäude war die "Neue Charité". Heute beherbergt dieses Gebäude das Institut für experimentelle Endokrinologie. 1856 errichtete man zwischen der neuen und der alten Charité " das erste Pathologische Institut" für Rudolph Virchow. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gelände der Charité um- und neugebaut, um die räumlichen Voraussetzungen für die Weiterentwicklung der Fakultät im 20. Jahrhundert zu schaffen. 1901 wurde das erste Institutgebäude fertiggestellt. Es war das Pathologische Museuum und es wurde anlässlich des 80. Geburtstags von Rudolph Virchow eingeweiht. Virchow war zweifellos einer der einflussreichsten und bekanntesten Ärzte und Wissenschaftler der Charité. Virchow gilt als der Vater der modernen Pathologie. Dieses Pathologische Museum, das man zu Ehren Virchows errichtete, wurde später zu einem Medizinhistorischem Museum ausgebaut und umgestaltet und kann noch heute besichtigt werden.

Es wurde nach dem Krieg neu aufgebaut. Denn auch die Charité hatte mit den verheerenden Folgen des Nazi- Regimes in Deutschland zu kämpfen Nicht nur das nach dem 2.Weltkrieg 60% der Charité Gebäude beschädigt waren, es verloren zu dieser Zeit viele Ärzte ihre Lehrbefugnis aus politischen oder "rassischen" Gründen. Und somit hatte die Charité an Niveau verloren, viele Ärzte ließen ihr Leben in KZ's oder wurden verschleppt, das wirkte sich natürlich auch auf die medizinische Forschung und Lehre negativ aus. Jedoch gleich nach Kriegsende 1945 machten sich die Mitglieder der Charité an die Arbeit, sie begannen mit der Wiederherstellung der Klinik- und Institutgebäude. Und schon konnte man in kürzester Zeit den Krankenhausbetrieb und den Lehrbetrieb wiederaufnehmen. Auch einige der gemaßregelten Professoren kehrten an die Charité zurück. Damals bestand die Medizinische Fakultät aus 17 Kliniken und 16 Instituten, darunter die neugegründeten Institute für Experimentelle Endokrinologie sowie für Transfusiologie, das aus der Gewebebank der Pathologischen Institutes hervorgegangen war. Später kamen als weitere Neugründungen das Institut für kardiovaskuläre Diagnostik, die Kliniken für Anästhesiologie und Intensivtherapie, für Urologie und für Nuklearmedizin hinzu. In den 70er Jahren machten sich Verschleißerscheinungen an den Bauten und zunehmender Raummangel bemerkbar. Da jedoch die finanziellen Mittel dazu fehlten, alles neu zu bauen, wurde unter Einbeziehung der historischen Gebäude mit der Neugestaltung der Charité begonnen. So entstand im Zeitraum von 1976-1982 ein 20geschossiger Neubau für die operativ orientierten Fachgebiete. Im Jahre 1990 machte die Charité als Universitätsklinikum der Humboldt-Universität einen tiefgreifenden Strukturwandel durch, dessen vorerst letztes Kapitel die Fusion mit dem ehemaligen Universitätsklinikum Rudolph Virchow der Freien Universität Berlin unter einem Dach der Humboldt- Universität darstellt.