Das Leben von Rudolph Virchow



Das Vorbild eines politisch verantwortungsbewussten Arztes.
Der am 13.Oktober 1821 im ostpommerschen Schivelbein geborene Pathologe verlor 1848 seine Stellung an der Berliner Charité, weil er öffentlich geäußert hatte, dass die Thyphus-Epidemien Oberschlesiens soziale Ursachen hätten. Rudolph Virchow, Gegner der aufkommenden Bakteriologie Robert Kochs, wurde Professor in Würzburg (1849) und in Berlin (1856), wo er sich durch elementare Analysen zur pathologischen Anatomie profilierte.
Mit der von ihm begründeten Zellularpathologie (1858) gab er der Medizin eine neue Basis. Große Verdienste erwarb sich Virchow in der Unterstützung einer öffentlich praktischen Hygiene; er setzte sich für den Bau von Kanalisationen, Krankenhäusern und einer allgemeinen Desinfektion in Medizinischen Einrichtungen ein. Der engagierte Liberale war Mitglied des Nationalvereins sowie Mitbegründer und Vorsitzender der Fortschrittspartei.
Als Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses gehörte er im Verfassungskonflikt zu den heftigsten Widersachern Bismarcks und Reichstag trat er als Gegner der Kirche im "Kulturkampf" hervor.
Das wissenschaftliche Interesse Virchows erstreckte sich auf dem Gebiet der Anthropologie und der Prähistorie. Er war Gründer der "Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Prähistorie" (1868). 1888 begleitete er Heinrich Schliemann bei seinen Ausgrabungen. Ein weiteres Anliegen Virchows war die Förderung der Volksbildung. Bis zuletzt hielt er allgemein verständliche, wissenschaftliche Vorträge. Er starb am 5.September 1902 in Berlin.



Am Rande:
Rudolph Virchow galt als geiziger Mensch. Er soll so geizig gewesen sein, dass er sich nicht einmal in einer eigenen Kutsche zur Klinik fahren ließ, obwohl er es sich hätte leisten können. Lieber fuhr er mit der günstigeren Straßenbahn, in der er im hohen Alter beim Austeigen schwer stürzte und wenige Wochen darauf verstarb.